Wir freuen
uns sehr über Ihr Interesse an unserem Unternehmen. Datenschutz hat einen
besonders hohen Stellenwert für die Geschäftsleitung der Kleinsten Bühne der
Welt. Eine Nutzung der Internetseiten der Kleinsten Bühne der Welt ist grundsätzlich
ohne jede Angabe personenbezogener Daten möglich. Sofern eine betroffene Person
besondere Services unseres Unternehmens über unsere Internetseite in Anspruch
nehmen möchte,
NEU seit August 2016
In diesem Sommer wird unsere neue Seite im Netz eingestellt werden. Die bisherige - so inhaltsreich sie auch sein mag - ist nun doch etwas in die Jahre gekommen. Unser kleines Theater hat sich weiterentwickelt, zum Glück, viel Neues ist in den letzten Jahren dazugekommen. Und von manchen Produktionen trennen wir uns auch. Außerdem ist die jetzige Seite nicht für die Dartstellung auf Tablets und Smartphones optimiert. Was vor 10 Jahren noch keine Rolle spielte.
Die neue Seite wird schlanker, kommt in der Systematik hoffentlich den Benutzern mehr entgegen - und erlaubt auf jeden Fall eine zeitnahe Darstellung neuer Entwicklungen unserer Arbeit.
Was aus diesem WebLog wird? Einige Beiträge wollen wir übernehmen, zumindest in einem Post-Archiv. Sicher bleibt er auch noch eine Zeitlang im Netz. Aber neue Beiträge findens sich dann ab September unter kleinstebuehne.de / Aktuelles.
Und falls uns jemand auf der Baustelle besuchen will - gerne!
HIER!
Hinterm Mond
Es gibt Zeiten, wo sich das Leben anfühlt wie auf der Rückseite des Mondes: vom Bildschirm verschwunden, im Funkloch, keine Anrufe, keine Anfragen, keine Antworten. Keine Zugriffe auf die Seite. Vergessen von der Welt? Manchmal braucht es da schon viel Vertrauen in die weitere Flugbahn - irgendwann treten wir hoffentlich wieder aus dem Schatten heraus.
Aber was zu anderen Zeiten belastend wäre und schon oft genug belastend war, ist diesmal kein Grund zur Sorge. Wir arbeiten nämlich an etwas Neuem, an einem Programm mit Schöpfungsgeschichten - s. den vorigen Blogbeitrag 'Alles auf Anfang'. Daher stammt übrigens auch der auf Küchenrolle gedruckte Mond.
Außerdem haben wir für 2016 eine Förderung vom Kulturreferat der Stadt München bekommen - für eine weitere Neuproduktion: 'HeimSpiel' - eine spielerische Sprechstunde, in der es um deutsche Sprache und Kultur gehen soll. Sprichwörter, Zungenbrecher, Abzählreime, Gedichte, Rätsel, Lieder, Märchen - wir wollen dieses Feld einfach nicht denen überlassen, die gern deutsche Kultur auf ihre Fahnen schreiben und dabei keine Ahnung haben, was das alles ist und sein kann.
Die HeimSpiel-Premiere ist für November geplant, die Schöpfungsgeschichten kommen Anfang Februar ans Licht. Bis dahin genießen wir die Ruhe im Mondschatten, kritzeln und schreiben, zeichnen und schneiden, falten und drucken, sichten und sammeln, singen und summen. Und sind selbst schon gespannt auf das, was da alles Im Stillen entsteht.
Aber was zu anderen Zeiten belastend wäre und schon oft genug belastend war, ist diesmal kein Grund zur Sorge. Wir arbeiten nämlich an etwas Neuem, an einem Programm mit Schöpfungsgeschichten - s. den vorigen Blogbeitrag 'Alles auf Anfang'. Daher stammt übrigens auch der auf Küchenrolle gedruckte Mond.
Außerdem haben wir für 2016 eine Förderung vom Kulturreferat der Stadt München bekommen - für eine weitere Neuproduktion: 'HeimSpiel' - eine spielerische Sprechstunde, in der es um deutsche Sprache und Kultur gehen soll. Sprichwörter, Zungenbrecher, Abzählreime, Gedichte, Rätsel, Lieder, Märchen - wir wollen dieses Feld einfach nicht denen überlassen, die gern deutsche Kultur auf ihre Fahnen schreiben und dabei keine Ahnung haben, was das alles ist und sein kann.
Die HeimSpiel-Premiere ist für November geplant, die Schöpfungsgeschichten kommen Anfang Februar ans Licht. Bis dahin genießen wir die Ruhe im Mondschatten, kritzeln und schreiben, zeichnen und schneiden, falten und drucken, sichten und sammeln, singen und summen. Und sind selbst schon gespannt auf das, was da alles Im Stillen entsteht.
Alles auf Anfang
Wir arbeiten an einem neuen Stück - für die SCHAUBURG am Elisabethplatz, das städtische Kinder- und Jugendtheater in München. Die Premiere musste mehrfach verschoben werden, jetzt nehmen wir dafür Ende Januar 2017 in den Blick. Nach wirklich langer Pause wagen wir uns wieder an ein Duo-Programm; die letzte Produktion zu zweit war SALZ, das 2008 Premiere hatte - und das wir immer noch (und auch gerne!) spielen.
Worin genau besteht das Wagnis? Allein schon in der verbindlichen Festsetzung eines Premierentermins: Schaffen wir es bis dahin? Inspiration lässt sich nicht versprechen. Fällt uns diesmal genügend ein? Genügend Neues? Fällt uns überhaupt noch etwas ein – oder ist nicht alles schon verbraucht?
Es ist eine Herausforderung, sich von solchen Fragen nicht lähmen zu lassen. Dabei steckt in diesem „Es fällt uns etwas ein“ eine erfahrbare Wahrheit: Es gibt tatsächlich ein 'es', das sich wohl suchen, bitten und locken, nicht aber herbeizwingen lässt. Eigenes Zutun ist wohl möglich, es gibt – zum Glück! – viel Handwerklichkeit, viel Routine; so kann man der Inspiration ein Stück weit entgegengehen. Aber dann kommt sie manchmal aus ganz anderer Richtung. Solange sie denn kommt.
Alles auf Anfang: Um
Schöpfungsgeschichten soll es gehen, aus aller Welt, aus allen möglichen Kulturen – und damit auch
um Kreativität. Wie spielen Plan und Zufall zusammen? In einer der
Geschichten schwebt der Schöpfergott schlafend durchs Nichts, und er träumt die
Welt. Erwacht macht er sich daran, den Traum zu verwirklichen, planvoll –
aber woher kam der Traum?
Oft haben wir bei der Arbeit an etwas Neuem das Gefühl: Das Stück gibt es schon, wir können es nicht 'machen', wir müssen es finden. Manchmal staunen wir, wenn in dem letztlich Gefundenen mehr steckt, als wir anfangs gesucht und beabsichtigt hatten.
Alles auf Anfang: Wieder sitzen wir vor einem weißen Blatt. Zeichnet sich da schon etwas ab? Will es gefaltet, beschrieben, geknüllt, werden? Oder will es in Ruhe gelassen werden - während im Regal eine Küchenrolle nach uns verlangt, im Schrankfach ein großes Tuch, am Isarufer eine Handvoll Steine? Das Stück ist schon da, wir machen uns auf die Suche.
Worin genau besteht das Wagnis? Allein schon in der verbindlichen Festsetzung eines Premierentermins: Schaffen wir es bis dahin? Inspiration lässt sich nicht versprechen. Fällt uns diesmal genügend ein? Genügend Neues? Fällt uns überhaupt noch etwas ein – oder ist nicht alles schon verbraucht?
Es ist eine Herausforderung, sich von solchen Fragen nicht lähmen zu lassen. Dabei steckt in diesem „Es fällt uns etwas ein“ eine erfahrbare Wahrheit: Es gibt tatsächlich ein 'es', das sich wohl suchen, bitten und locken, nicht aber herbeizwingen lässt. Eigenes Zutun ist wohl möglich, es gibt – zum Glück! – viel Handwerklichkeit, viel Routine; so kann man der Inspiration ein Stück weit entgegengehen. Aber dann kommt sie manchmal aus ganz anderer Richtung. Solange sie denn kommt.
Oft haben wir bei der Arbeit an etwas Neuem das Gefühl: Das Stück gibt es schon, wir können es nicht 'machen', wir müssen es finden. Manchmal staunen wir, wenn in dem letztlich Gefundenen mehr steckt, als wir anfangs gesucht und beabsichtigt hatten.
Alles auf Anfang: Wieder sitzen wir vor einem weißen Blatt. Zeichnet sich da schon etwas ab? Will es gefaltet, beschrieben, geknüllt, werden? Oder will es in Ruhe gelassen werden - während im Regal eine Küchenrolle nach uns verlangt, im Schrankfach ein großes Tuch, am Isarufer eine Handvoll Steine? Das Stück ist schon da, wir machen uns auf die Suche.
Altern
In unserem Repertoire findet sich ein russisches Märchen - 'Die Mulde': Ein Bauer setzt seinen alten Vater, weil der nicht mehr arbeiten kann und auf Versorgung angewiesen ist, mitten im Winter am Grund einer tiefen Schlucht aus. In der Märchen-Sammlung der Brüder Grimm gibt es eine verwandte Geschichte - 'Der alte Großvater und sein Enkel' (KHM 78). Die russische Fassung ist allerdings sehr viel härter, hier geht es um Leben und Tod. Um Wirtschaftlichkeit als Maßstab für die Existenzberechtigung eines Menschen.

Wahrscheinlich ist es so, dass einen solche Fragen erst mit zunehmendem Alter zu interessieren beginnen. Alt hin oder her - für einen kleinen Film auf Youtube (den ersten!) ist es sicher nie zu spät. Abenteuer bei der Steuer heißt das Werk, angelegt mehr als Spielerei, mit Hausmitteln realisiert, und Achtung: Nicht das Bild liegt auf der Seite, sondern der Sprecher!
Eseleien
Vielleicht nur eine kleine Fingerübung: Vater, Sohn und Esel sind auf dem Weg nach Haus. Wer darf reiten, wer muss zu Fuß gehen? Die kleine (und ziemlich bekannte) Geschichte von Johann Peter Hebel erzählt davon, wie selbst zum Esel werden kann, wer es jedem recht machen will. Wobei mit dieser Zuschreibung den Eseln eigentlich Unrecht geschieht, gelten sie doch als eigenwillig, als beharrlich und kaum beeinflussbar. Also eher: Was lässt sich vom Esel lernen?
Wieder ist ein kleiner Slam-Text entstanden, mit leichtem Rap-Einschlag, und mit Erfolg erprobt. Sollen wir das jetzt Poetry Slap nennen? Oder wie?
Jedenfalls macht das Spiel mit dieser Form unvermindert Freude, beim Dichten wie beim Sprechen, und (so unser Eindruck) auch beim Hören.
Wieder ist ein kleiner Slam-Text entstanden, mit leichtem Rap-Einschlag, und mit Erfolg erprobt. Sollen wir das jetzt Poetry Slap nennen? Oder wie?
Jedenfalls macht das Spiel mit dieser Form unvermindert Freude, beim Dichten wie beim Sprechen, und (so unser Eindruck) auch beim Hören.
Tám ta tata tata tá - tata tám tatà!
Im Dezember 2015 gab es bei uns noch eine kleine Premiere, etwas versteckt: in einer Garage im Nachbarort. Ein stark rhythmisiert vorgetragenes Gedicht, sagen wir mal halb Rap, halb Slam, politisch und aktuell. Zur Überfischung und Verschmutzung der Weltmeere, zur Situation der Länder, die auf eigenen Fischfang angewiesen sind und nun durch die schwimmenden Fischfabriken der EU in die Armut gestoßen werden - und die dabei immer noch als sichere Herkunftsländer gelten.
Die Resonanz war ausgesprochen ermutigend, so ermutigend, dass vielleicht in dieser Richtung noch mehr entstehen könnte. Die Lust dazu ist jedenfalls geweckt. Immerhin hatte das Jahr ja mit einem formal vergleichbaren Stückchen begonnen, s.Blogpost 'Rollentausch' vom 22.1.2015 - einem gerappten norwegischen Märchen.
Wie viel erscheint da plötzlich möglich! Ein schnelles, ein aktuelles und zeitbezogenes Arbeiten, das auch nicht darauf schauen muss, dass die Produkte jahrelang im Repertoire bleiben können. Was für ein guter Ausblick auf ein neues Jahr!
Wie viel erscheint da plötzlich möglich! Ein schnelles, ein aktuelles und zeitbezogenes Arbeiten, das auch nicht darauf schauen muss, dass die Produkte jahrelang im Repertoire bleiben können. Was für ein guter Ausblick auf ein neues Jahr!
Alles wird gut?
Den Märchen wird ja gern nachgesagt, dass sie wirklichkeitsfern sind, indem sie eine heile Welt abbilden. Meist im gleichen Atemzug wird dann noch die Grausamkeit 'der Märchen' beklagt. Ja, was denn nun? Heile Welt oder Grausamkeit? Man weiß oft nicht, worauf man zuerst antworten soll - und meist will das Gegenüber auch gar keine Antworten hören.
Der Begriff 'Heile Welt' enstammt einem Gedicht von Werner Bergengruen (1892-1964), deutete im ursprünglichen Sinnzusammenhang auf etwas ganz anderes, mutierte dann aber zu einem kulturideologischen Abgrenzungsbegriff.
Zur Grausamkeit im Märchen ist schon so viel gesagt worden. Die Geschichten wären jedenfalls nicht wie sie sind, wenn sie so nicht ein menschliches Grundbedürfnis erfüllen würden. Dazu gehört etwa der Wunsch nach Heilung, nach Erlösung, nach einem glaubhaft guten Ausgang - und das um so mehr, je größer zuvor die geschilderte Not war. Und je vertrauter uns diese Not erscheint, desto tröstlicher kann für uns dann die Geschichte werden.
In der Vorweihnachtszeit - so kann man sagen - treten diese Grundbedürfnisse oft deutlicher zutage als sonst. Weihnachten selbst spielt ja in Märchen praktisch keine Rolle, aber wir versuchen, mit einem kleinen Programm diesen Wünschen entgegenzukommen, mit einer Auswahl pur erzählter sowie theatralisierter/illustrierter Geschichten. Dazu gehört auch das schwedische Märchen vom Landarzt, der von einem kleine Jungen zum Krankenbesuch abgeholt wird, mit einem Schlitten, dem ein Elch forgespannt ist. Tiefer Schnee, Wölfe, Winternacht, ein todkrankes Mädchen, verzweifelte Eltern ... alles ist da, was für eine gute Geschichte erforderlich ist.
Der Begriff 'Heile Welt' enstammt einem Gedicht von Werner Bergengruen (1892-1964), deutete im ursprünglichen Sinnzusammenhang auf etwas ganz anderes, mutierte dann aber zu einem kulturideologischen Abgrenzungsbegriff.
Zur Grausamkeit im Märchen ist schon so viel gesagt worden. Die Geschichten wären jedenfalls nicht wie sie sind, wenn sie so nicht ein menschliches Grundbedürfnis erfüllen würden. Dazu gehört etwa der Wunsch nach Heilung, nach Erlösung, nach einem glaubhaft guten Ausgang - und das um so mehr, je größer zuvor die geschilderte Not war. Und je vertrauter uns diese Not erscheint, desto tröstlicher kann für uns dann die Geschichte werden.
DAS WISSEN DER WELT
Ein junger König befieht nach der Krönung seinen Weisen, das Wissen der Welt zusammenzutragen und für ihn aufzuzeichnen. Nach 40 Jahren führen sie den König voller Stolz in eine riesige Bibliothek - das Ergebnis ihrer Arbeit.
Doch der König schüttelt den Kopf: "Ich bin jetzt 60 Jahre alt - wie soll ich das alles zu Lebzeiten noch lesen? Macht euch wieder ans Werk und fasst das Wichtigste für mich zusammen!"
Nach 10 Jahren führen sie den König in ein Kabinett mit nunmehr nur noch 100 Büchern. Doch das ist für den König inzwischen auch zuviel - also müssen sich seine Weisen ein weiteres Mal an die Arbeit machen ...
Es ist vermutlich absehbar, wie sich diese Geschichte weiter zuspitzt. Ihren Ursprung hat sie übrigens in Indien; unerbittlich und sehr konsequent fragt sie danach, was wirklich wichtig ist und dereinst Bestand haben wird.
.... Demnächst in diesem Theater!
Doch der König schüttelt den Kopf: "Ich bin jetzt 60 Jahre alt - wie soll ich das alles zu Lebzeiten noch lesen? Macht euch wieder ans Werk und fasst das Wichtigste für mich zusammen!"
Nach 10 Jahren führen sie den König in ein Kabinett mit nunmehr nur noch 100 Büchern. Doch das ist für den König inzwischen auch zuviel - also müssen sich seine Weisen ein weiteres Mal an die Arbeit machen ...
Es ist vermutlich absehbar, wie sich diese Geschichte weiter zuspitzt. Ihren Ursprung hat sie übrigens in Indien; unerbittlich und sehr konsequent fragt sie danach, was wirklich wichtig ist und dereinst Bestand haben wird.
.... Demnächst in diesem Theater!
Glückssachen
(Fortsetzung vom 3.Januar 2015: Dem Wesir ist ein kostbarer Ring in den Brunnen gefallen. Aus einer Anwandlung heraus wünscht er sich, dass der Ring nicht untergehen soll.)
Nun, der Ring ging tatsächklich nicht unter. Auf dem Wasser hatte sich eine kleine Ölschicht gebildet, der Ring wurde von dieser Schicht gehalten und schwamm nun auf der Oberfläche! - Der Wesir erschrak: 'So viel Glück - das verheißt nichts Gutes! Nein, irgendetwas Schlimmes steht kurz bevor.'Und so war es auch ....
Seine Premiere hatte es im Oktober beim Internationalen Erzählfestival 'Zwischen-Zeiten'in Aachen. h
Schicksalsfragen
In Bagdad lebte einmal ein Seiler, der hatte seine ärmliche Werkstatt am Rand des Bazars ... Zwei Sheikhs kommen vorbei, eine Art Wandermönche, vertieft in ein Gespräch darüber, ob es soetwas wie ein unabwendbares Schicksal gibt oder ob sich da von außen eingreifen lässt. Einer der beiden schenkt dem Seiler 100 Goldstücke - um ihm einen Neubeginn zu ermöglichen und damit auch das Glück auf die Probe zu stellen. Doch der Arme verliert das Geld, und bei einem zweiten Versuch büßt er wiederum alles ein. Es sieht so aus, als sei er zur Armut verdammt. Da schenkt ihm der andere ein Stück Blei, das er auf der Straße gefunden hat ...
Manchmal, so scheint es, liegen Themen einfach in der Luft. Seit Pfingsten leben 100 Flüchtlinge in unserem Heimatort, in einem Notaufnahmelager. Junge Männere zumeist, und viele (wenn nicht alle) haben durch die Flucht versucht, ihrem Schicksal eine Wende zu geben. Etliche Muslime sind darunter, und neben praktischer Unterstützung gibt es reichlich Raum für Gespräche: 'Inschallah' - Wenn wir abgeschoben werden, hat Allah das so gewollt?
Mühsam, auf Französisch und zunehmend auf Deutsch, erleben wir bei vielen eine tiefe Herzensbildung und ein Grundvertrauen in göttliche Führung. Wir hören vom Grauen der Flucht, durch die Sahara, durch Libyen und über das Mittelmeer. Wir erfahren etwas über die Lebensbedingungen in ihrer Heimat - und fragen uns zunehmend, welchem Schicksal wir es eigentlich zu verdanken haben, hier geboren zu sein und hier leben zu dürfen. Und - das bringt der Beruf nun mal mit sich - es werden Geschichten wach, die solche Fragen reflektieren: 'Glückssache' (Blogpost vom 3.1.2015), ''Sfurtuna' (Pechvogel), 'Gottvater und das Schicksal' oder eben die vom armen Seiler, der ein wertloses Stück Blei erhält. Was davon nach diesem sehr besonderen Sommer auf die Bühne kommt, wissen wir nicht. Es ist vielleicht gar nicht so wichtig, und liegt es überhaupt in unserer Hand? Immerhin erfahren wir beglückt, wie viele hier doch bereit sind, diesen Menschen zu begegnen und sie helfend zu begleiten. Es sieht so aus, als ändere sich da gerade etwas in unserer Gesellschaft, als ließe sich etwas ändern. Bewegte Zeiten.
Etwas mehr über die Flüchtlinge bei uns im Isartal findet sich hier.
Manchmal, so scheint es, liegen Themen einfach in der Luft. Seit Pfingsten leben 100 Flüchtlinge in unserem Heimatort, in einem Notaufnahmelager. Junge Männere zumeist, und viele (wenn nicht alle) haben durch die Flucht versucht, ihrem Schicksal eine Wende zu geben. Etliche Muslime sind darunter, und neben praktischer Unterstützung gibt es reichlich Raum für Gespräche: 'Inschallah' - Wenn wir abgeschoben werden, hat Allah das so gewollt?
Mühsam, auf Französisch und zunehmend auf Deutsch, erleben wir bei vielen eine tiefe Herzensbildung und ein Grundvertrauen in göttliche Führung. Wir hören vom Grauen der Flucht, durch die Sahara, durch Libyen und über das Mittelmeer. Wir erfahren etwas über die Lebensbedingungen in ihrer Heimat - und fragen uns zunehmend, welchem Schicksal wir es eigentlich zu verdanken haben, hier geboren zu sein und hier leben zu dürfen. Und - das bringt der Beruf nun mal mit sich - es werden Geschichten wach, die solche Fragen reflektieren: 'Glückssache' (Blogpost vom 3.1.2015), ''Sfurtuna' (Pechvogel), 'Gottvater und das Schicksal' oder eben die vom armen Seiler, der ein wertloses Stück Blei erhält. Was davon nach diesem sehr besonderen Sommer auf die Bühne kommt, wissen wir nicht. Es ist vielleicht gar nicht so wichtig, und liegt es überhaupt in unserer Hand? Immerhin erfahren wir beglückt, wie viele hier doch bereit sind, diesen Menschen zu begegnen und sie helfend zu begleiten. Es sieht so aus, als ändere sich da gerade etwas in unserer Gesellschaft, als ließe sich etwas ändern. Bewegte Zeiten.
Etwas mehr über die Flüchtlinge bei uns im Isartal findet sich hier.
Lebenslinien
Überall auf der Welt finden sich Geschichten, zu denen beim Erzählen gezeichnet (oder besser: gekritzelt) wird, meist einfach nur Striche, Kreise oder Punkte. Daraus ergibt sich am Ende ein Bild, manchmal überraschend, aber oft 'zeichnet es sich schon ab'.
Drawing Stories heißen sie auf Englisch, ritsagor auf Schwedisch - im Deutschen fehlt dafür ein passendes Wort. Kritzelgeschichten? Erzählzeichnen? Verwandt erscheinen sie den Sandzeichnungen australischer Ureinwohner oder dem knifing der Indianer von der nordamerikanischen Pazifikküste. Aber während es dort meist um elementare Stoffe geht (s. Post vom 10.3.2012 - THE WORLD OF STORY-TELLING), kommen einem die Geschichten hier oft recht banal vor:
Ein Mann hört nachts einen Lärm, macht sich auf die Suche nach dessen Ursprung, stürzt in eine Grube, klettert raus, stürzt in die nächste - und so weiter. Schließlich kehrt er erschöpft nach Hause zurück. Bei Tageslicht übersieht er seine Wegspur und stellt fest, dass sich daraus ein Storch geformt hat. Der Schriftstellerin Tanja (=Karen) Blixen ist dieser Storch schon in ihrer Kindheit begegnet, und er hat sie tief beeindruckt. Sie schreibt dazu:
Ich bin
froh, dass man mir diese Geschichte
erzählt hat, und will in der Stunde der Not an sie denken. ... Die Enge, in der ich stecke, das dunkle Loch, in dem ich
liege - zu welcher Vogelkralle mag das
wohl gehören? Was werden die
anderen sehen, wenn die Zeichnung meines Lebens fertig ist?
Ist das noch banal zu nennen? Reframing heißt so ein sinnbildender Rück- und Überblick im therapeutischen Prozess. Wir haben uns daran gemacht, Ausschau nach diesen Geschichten zu halten, geeignete zu sammeln und zu bearbeiten, manchmal zu reparieren und z.T. neu zu fassen. Ein paar kleine Zwischen-Spiele sind so enstanden, vielleicht Neuzugänge für unsere Theater-Speisekarte, auf jeden Fall können sie in ihrer Einfachheit Anstöße bieten, selbst einen Stift zur Hand zu nehmen und Lebenslinien zu kritzeln.
3 D
'So habe ich einmal ausgesehen?' oder: "Bist das wirklich Du?" - Jeder kennt wohl den Anflug von Rührung beim Anblick eines Kinderfotos, eines eigenen oder dem eines anderen. Ist es die sprichwörtliche 'kindliche Unschuld', die einem da im Bild gegenübertritt, der Ausdruck von Hoffnung und Erwartung? Ganz unwillkürlich vergleicht der Betrachter Vergangenheit und Gegenwart: 'Was von Dir war damals schon sichtbar? Und wer bist Du heute?' Sehr unterschiedliche Gefühle werden da geweckt.
In der Straße meiner Kindheit lebte eine Bildhauerin, Eva Brinkmann. Ich war 6 oder vielleicht 7 Jahre alt, als ich ihr Modell stehen durfte - für eine Auftragsarbeit, einen Jungen, der sich über einen Fischteich beugt.
Den Fischteich gibt es längst nicht mehr, aber das Standbild ist heute noch zu sehen, im Innenhof des Evangelischen Krankenhauses in Wesel-Obrighoven. Nachdenklich, etwas verloren steht es da, und kürzlich habe ich es besucht. Oder besser: ich habe mich besucht, mich als 7-jährigen, mich in den damals üblichen Baumwoll-Trainigshosen mit Gummizug. Plötzlich stehe ich mir selbst gegenüber, dem Kind, das ich einmal war, lege ihm den Arm um die Schulter, komme in Kontakt. Ja, Berührung, Rührung - es ist ein wenig wie mit einem kleinen Bruder. 'Was hast Du noch alles vor Dir?' Aufrichten, ermutigen wollte ich ihn irgendwie, ihn an der Hand nehmen und ihm meine Begleitung anbieten. Als wäre er jemals von meiner Seite gewichen. Oder war ich es, der ihn hier hatte stehen lassen?
Die Körperlichkeit erschafft ein 'Du', sie vermag Empathie stärker zu fördern als jede Fotografie. Das gehört sicher auch zu den Wirkungsprinzipien des Puppentheaters, des Spiels mit Puppen überhaupt. Seit wir auf der Bühne so viel mit Papier arbeiten, stellt sich uns immer wieder aufs Neue die Frage: Wie lässt sich auch mit 'flacher' bildlicher Darstellung Empathie wecken? Und wie kann Papier körperlich werden? - Denn davon sind wir überzeugt: dass Zuschauer bei allem Wunsch nach geistvoller Unterhaltung letztlich auch Berührung suchen. Im 'Lob der kleinen Form' ist an anderer Stelle weiteres dazu gesagt. Und einmal mehr sei (fragend) der Kirchenvater Augustinus zitiert: Vollkommenheit liegt nicht in der Stärke der Erkenntnis, sondern im Ergriffensein.
Den Fischteich gibt es längst nicht mehr, aber das Standbild ist heute noch zu sehen, im Innenhof des Evangelischen Krankenhauses in Wesel-Obrighoven. Nachdenklich, etwas verloren steht es da, und kürzlich habe ich es besucht. Oder besser: ich habe mich besucht, mich als 7-jährigen, mich in den damals üblichen Baumwoll-Trainigshosen mit Gummizug. Plötzlich stehe ich mir selbst gegenüber, dem Kind, das ich einmal war, lege ihm den Arm um die Schulter, komme in Kontakt. Ja, Berührung, Rührung - es ist ein wenig wie mit einem kleinen Bruder. 'Was hast Du noch alles vor Dir?' Aufrichten, ermutigen wollte ich ihn irgendwie, ihn an der Hand nehmen und ihm meine Begleitung anbieten. Als wäre er jemals von meiner Seite gewichen. Oder war ich es, der ihn hier hatte stehen lassen?
Die Körperlichkeit erschafft ein 'Du', sie vermag Empathie stärker zu fördern als jede Fotografie. Das gehört sicher auch zu den Wirkungsprinzipien des Puppentheaters, des Spiels mit Puppen überhaupt. Seit wir auf der Bühne so viel mit Papier arbeiten, stellt sich uns immer wieder aufs Neue die Frage: Wie lässt sich auch mit 'flacher' bildlicher Darstellung Empathie wecken? Und wie kann Papier körperlich werden? - Denn davon sind wir überzeugt: dass Zuschauer bei allem Wunsch nach geistvoller Unterhaltung letztlich auch Berührung suchen. Im 'Lob der kleinen Form' ist an anderer Stelle weiteres dazu gesagt. Und einmal mehr sei (fragend) der Kirchenvater Augustinus zitiert: Vollkommenheit liegt nicht in der Stärke der Erkenntnis, sondern im Ergriffensein.
J.Baesecke
Neue Seiten
Höher als der Himmel, tiefer als das Meer - 20 Geschichten aus unserem Bühnen-Repertoire, dazu Hintergründe, Anleitungen und Illustrationen: Soeben ist die Neuauflage unseres Buchs angeliefert worden. Erschienen ist es diesmal im Selbstverlag, und weil die Auflage etwas kleiner ist, mussten wir den Preis neu kalkulieren. Erhältlich ist es ab sofort bei uns - für 25 Euro incl. Versand in Deutschland.
Wir haben ein paar Korrekturen vorgenommen, ein anderes Papier gewählt und einige der erklärenden Texte überarbeitet Es wurfe schlussendlich doch etwas mehr Arbeit als wir anfangs dachten. Die Erstauflage ist im Frühjahr 2007 erschienen. Es gibt noch ganze 3 Exempare davon. Nun hoffen wir auf eine ähnliche Resonanz wie vor 8 Jahren - und auf ein schnelles Schwinden der Bücherstapel bei uns zuhause.
Totul bine!
Zum zweiten Mal sind wir nach Rumänien eingeladen, diesmal nach Brașov/Kronstadt, und wie 2012 streifen wir wieder staunend durch eine zugleich fremde und doch irgendwie vertraute Stadt. 'Unter fremden Augen' hieß der Blogpost damals (7.August 2012) - und 'bine' ist eines der ersten Worte, das wir diesmal aufschnappen: gut, OK, jawohl.
Inzwischen hat das Land einen deutschstämmigen Staatspräsidenten, Klaus Johannis, den früheren Bürgermeister von Sibiu/Hermannstadt, und gleich der erste Rumäne, den wir kennenlernen, sagt: 'Wäre Johannis nicht gewählt worden, ich wäre ausgewandert.' Der rumänische Staatspräsident hat ähnliche Machtbefugnisse wie der französische, und wieder sind wir mit der Wertschätzung angeblich typisch deutscher Tugenden konfrontiert, hören, dass die Auswanderung der deutschstämmigen Bevölkerung bedauert wird.
Wir spielen auf Deutsch, für Kindergarten- und Schulkinder. In der Stadt gibt es kaum noch Deutschstämmige - es sind rumänische Kinder. Wir erfahren, dass viele Kinder hier Deutsch lernen, in Mittel- und Oberschicht sei das sehr verbreitet - als eine Investition in die Zukunft. Historischen Ressentiments begegnen wir nicht. Nun, die Zeit ist auch kurz.
Ernst kommen uns viele Menschen vor, manche auch verschlossen, in Restaurants und Cafés darf geraucht werden (man hat schon fast vergessen, wie das ist) und Händeschütteln scheint überall dazuzugehören. Verfall und aufwändige Restaurierung liegen oft Haus an Haus nebeneinander, die Namen der Ladenketten und die Artikel im Regal sind meist die gleichen wie bei uns. In manchen Straßen fühlt man sich wie in Lutz , der fiktiven Stadt aus dem Film 'Grand Budapest Hotel'. Die vollständig erhaltene Altstadt zieht im Sommer viele Touristen an, Schloss Bran, dem Graf Dracula angedichtet wird, liegt nicht weit. Aber noch ist Vorfrühling, klingend läuft das Tauwasser von den Dachrinnen durch die Fallrohre hinab, ein Klang, der uns auf Schritt und Tritt begleitet. Einmal mehr stellen wir fest, wie viel von einem Land erfährt, wer es nicht als Tourist bereist, sondern dort zu tun hat, und sind darum dankbar für unseren Beruf. Bine!
Inzwischen hat das Land einen deutschstämmigen Staatspräsidenten, Klaus Johannis, den früheren Bürgermeister von Sibiu/Hermannstadt, und gleich der erste Rumäne, den wir kennenlernen, sagt: 'Wäre Johannis nicht gewählt worden, ich wäre ausgewandert.' Der rumänische Staatspräsident hat ähnliche Machtbefugnisse wie der französische, und wieder sind wir mit der Wertschätzung angeblich typisch deutscher Tugenden konfrontiert, hören, dass die Auswanderung der deutschstämmigen Bevölkerung bedauert wird.
Wir spielen auf Deutsch, für Kindergarten- und Schulkinder. In der Stadt gibt es kaum noch Deutschstämmige - es sind rumänische Kinder. Wir erfahren, dass viele Kinder hier Deutsch lernen, in Mittel- und Oberschicht sei das sehr verbreitet - als eine Investition in die Zukunft. Historischen Ressentiments begegnen wir nicht. Nun, die Zeit ist auch kurz.
Ernst kommen uns viele Menschen vor, manche auch verschlossen, in Restaurants und Cafés darf geraucht werden (man hat schon fast vergessen, wie das ist) und Händeschütteln scheint überall dazuzugehören. Verfall und aufwändige Restaurierung liegen oft Haus an Haus nebeneinander, die Namen der Ladenketten und die Artikel im Regal sind meist die gleichen wie bei uns. In manchen Straßen fühlt man sich wie in Lutz , der fiktiven Stadt aus dem Film 'Grand Budapest Hotel'. Die vollständig erhaltene Altstadt zieht im Sommer viele Touristen an, Schloss Bran, dem Graf Dracula angedichtet wird, liegt nicht weit. Aber noch ist Vorfrühling, klingend läuft das Tauwasser von den Dachrinnen durch die Fallrohre hinab, ein Klang, der uns auf Schritt und Tritt begleitet. Einmal mehr stellen wir fest, wie viel von einem Land erfährt, wer es nicht als Tourist bereist, sondern dort zu tun hat, und sind darum dankbar für unseren Beruf. Bine!
Das erste Mal
Wir sind eingeladen nach Interlaken, zum ersten Jungfrau-Erzähl-Festival - ein 'geschichtenbuntes Ereignis zu einem typischen Jungfrau-Thema' (so unsere Gastgeber): 'Das erste Mal'.
Staunenswert ist die Vielfalt, die in so kurzer Zeit in einem sehr dichten Programm erfahrbar wird. Die Frage, ob sich bei einem Zeitraum von knapp 3 Tagen von einem Festival sprechen lässt, stellt sich am Ende nicht mehr - so erfüllt treten wir am Ende die Heimreise an.
Staunenswert ist die Vielfalt, die in so kurzer Zeit in einem sehr dichten Programm erfahrbar wird. Die Frage, ob sich bei einem Zeitraum von knapp 3 Tagen von einem Festival sprechen lässt, stellt sich am Ende nicht mehr - so erfüllt treten wir am Ende die Heimreise an.
Für den Eröffnungsabend sind wir zu den eigenen Anfängen zurückgekehrt ('Das erste Mal!') und haben unsere alte kleine Kofferbühne mitgebracht. Kenner unseres Repertoires werden ahnen, was gespielt werden musste: Der Berg ruft! - unsere Alpenschmonzette über eine Besteigung des Matterhorns. Kann man immer noch spielen, so die allgemeine Resonanz, zumal sich die Erstbesteigung des Matterhorns jetzt zum 150.Male jährt. Die Jungfrau (4158 m) allerdings hüllte sich das ganze Wochenende über in Wolken - hoffen wir also auf eine andere Gelegenheit, sie zu Gesicht und die wunderbaren Erzähler, mit denen wir die Bühne teilen durften, wieder zu Gehör zu bekommen.
Rollentausch
Ein traditionelles norwegisches Märchen: Die Frau ärgert sich über die Geringschätzung, die sie durch ihren Mann erfährt. Sie verabreden, dass sie einfach einmal die Rollen tauschen. Er soll zuhause bleiben, während sie aufs Feld zur Arbeit geht. Für den Mann, soviel sei verraten, endet das Ganze in einem Desaster. Ein überhastetes 'Ich will nur noch schnell ...' setzt immer wieder neue Kausalitäten in Gang, an deren Ende er schließich kopfüber im Grützkessel steckt.
Das Vorantreibende der Handlung gab den Impuls, die Geschichte in Gedichtform zu bringen, mit Anklängen an Rap, an Wilhelm Busch, an lautmalende Balladen. Als der Text fertig war, stand als nächstes die Frage an, ob es dazu noch Bilder braucht, vielleicht Scherenschnitte in einer Art Daumenkino? Nein, war die einhellige Antwort nahezu aller, die den Text zu hören bekamen: Hier ist das Gedicht Form genug; wenn gleichzeitig noch Bilder gezeigt würden, ginge das durch den Rhythmus geweckte und gehaltene Tempo wieder verloren. Außerdem zeigt das Märchen ja auch selbst, wie schwierig es sein kann, zwei Dinge gleichzeitig zu tun.
Also - das Stückchen ist fertig. Eine Frucht eigenen Strohwitwerdaseins - im Vertrauen gesagt.
*
Das Vorantreibende der Handlung gab den Impuls, die Geschichte in Gedichtform zu bringen, mit Anklängen an Rap, an Wilhelm Busch, an lautmalende Balladen. Als der Text fertig war, stand als nächstes die Frage an, ob es dazu noch Bilder braucht, vielleicht Scherenschnitte in einer Art Daumenkino? Nein, war die einhellige Antwort nahezu aller, die den Text zu hören bekamen: Hier ist das Gedicht Form genug; wenn gleichzeitig noch Bilder gezeigt würden, ginge das durch den Rhythmus geweckte und gehaltene Tempo wieder verloren. Außerdem zeigt das Märchen ja auch selbst, wie schwierig es sein kann, zwei Dinge gleichzeitig zu tun.
Also - das Stückchen ist fertig. Eine Frucht eigenen Strohwitwerdaseins - im Vertrauen gesagt.
*
The trauerarbeit
Wie lässt sich Vergangenes verarbeiten? Eine Schuld, ein Verlust? Der Gebrauch des Worts 'Verarbeiten' vermittelt leicht den Eindruck, als wäre selbstverständlich klar, was genau damit bezeichnet wird. Ein höchst komplexer Prozess jedenfalls, der sehr unterschiedliche Verläufe nehmen kann, je nach Person und Gegenstand oder Gegenüber.
Papier.Krieg hat mittlerweile fast 70 Aufführungen erlebt. In vielen Gesprächen danach ging es immer wieder um 'Verarbeitung', um the trauerarbeit. Dabei bildete sich nach und nach eine Art Muster heraus, eine Abfolge von Stufen, die auf und ab gegangen werden können, eine Reihe von Schritten, von Abschnitten, die sich aber immer wieder auch durchdringen können. Und die auch in dieser Abfolge noch viele Fragen offenlassen:
Papier.Krieg hat mittlerweile fast 70 Aufführungen erlebt. In vielen Gesprächen danach ging es immer wieder um 'Verarbeitung', um the trauerarbeit. Dabei bildete sich nach und nach eine Art Muster heraus, eine Abfolge von Stufen, die auf und ab gegangen werden können, eine Reihe von Schritten, von Abschnitten, die sich aber immer wieder auch durchdringen können. Und die auch in dieser Abfolge noch viele Fragen offenlassen:
- Hinsehen was ist (bzw. war). Hinhören und es anerkennen - auch wenn Wegschauen näherliegen mag.
- Trauern - auch wenn Ablenkung oder Verdrängen von Tränen näherliegen mögen. Es für sich bewerten: Was war falsch? Wäre etwas anderes möglich gewesen?
- Ordnen, Aufräumen. Einen Sinn suchen: Was bin dadurch geworden? War es vielleicht (so schlimm es war) zu etwas gut?
- Transformation: Dem Gegenstand eine andere Form geben und ihn darin loslassen, vielleicht in einem Ritual. 'Erlösung' nennt es das Märchen. Kommunikation: Es mitteilen - anstatt es für sich zu behalten. Etwas wieder gut machen - wofür setze ich mich heute ein?
Glückssache
Der Wesir ergeht sich abends im Garten. Er beugt sich über den Brunnenrand - plötzlich gleitet ihm sein Ring vom Finger und fällt in den Brunnen. Da durchfährt ihn ein Gedanke, ein verrückter Wunsch: Wenn der Ring doch nicht unterginge!
So beginnt die arabische Geschichte, die im Weiteren von den Wechselfällen des Glücks erzählt. Kein Faden, ein leuchtend roter Punkt führt durch die Handlung und begleitet den Helden durch die Höhen und Tiefen des Schicksals.
Fast fertig - bald neu im Repertoire!
IN ERWARTUNG
Im April 2007 erschien unser Buch HÖHER ALS DER HIMMEL,TIEFER ALS DAS MEER in einer Auflage von 2100 Stück. Beim Verlag ist das Buch längst vergriffen, bei uns zuhause liegen noch 3 Dutzend. Wir haben es in letzter Zeit gar nicht mehr beworben, trotzdem haben wir jedes Jahr noch 30 - 40 Exemplare verschickt.
Und jetzt? Sollen wir es einfach ausgehen lassen oder wagen wir noch einmal eine Neuauflage? Diesmal im Selbstverlag? Das hieße, noch einmal gründlichst Korrektur zu lesen. Das Layout unter die Lupe zu nehmen. Ein paar Aktualisierungen in Vor- und Nachwort. Alles neu zu kalkulieren: Wenn, dann wird es eine kleinere Auflage, was das Buch im Endpreis teurer machen würde.
Nun, wir haben tatsächlich mit der Arbeit begonnen. Es fühlt sich an wie eine Wiederaufnahme im Theater: die alte Spur noch einmal nachgehen, und wie erfüllt man sie wieder mit neuem Leben? Wenn alles gut geht, dann sitzen wir im Frühjahr wieder auf Bücherstapeln - und freuen uns über jede und jeden, der uns bei deren Abbau hilft.
*
Abonnieren
Posts (Atom)
Blog-Archiv
Über uns...
- YB
- Isartal, Germany










